Weinen Katzen? Katzensprache

„Können Katzen weinen?“

wurde ich letzte Woche gefragt, eine gute Frage, wie ich finde. Was bedeutet Weinen und welche physiologischen Vorgänge spielen sich ab? Weinen ist zunächst ein Begriff, den wir aus der Menschenwelt kennen, in der Tierwelt bestenfalls in Zusammenhang mit dem Film „das weinende Kamel“. Doch können Katzen weinen und viel spannender ist dann: würden sie dies überhaupt tun?Weinen gehört zur Ausdrucksform und hat nicht zwangsläufig etwas mit Tränenfluss zu tun. Weinen ist ein emotionaler Ausdruck, zumeist geäußert bei Trauer, Schmerz, Angst, Kränkung oder auch Hilflosigkeit. Allerdings gibt es auch die Freudentränen. Warum geweint wird, ist nach wie vor ungeklärt, wohl auch weil es in Zusammenhang mit einem emotionalen Ausdruck steht und dieser ist subjektiv und somit schwer zu erforschen oder zuzuordnen. Wissenschaftlich belegt ist, dass die chemische Zusammensetzung von Trauertränen (höherer Hormongehalt) und einfachem Tränenfluss (Reinigung des Auges) unterschiedlich ist. Das Weinen als Ausdruck des inneren Erlebens gehört zum natürlichen Kommunikationsverhalten des Menschen.

Doch würden Katzen als Mittel Ihres Ausdrucks überhaupt weinen, ist dies Teil der Katzensprache und der Kommunikation bei Katzen?

Beim Menschen sehen wir deutlich in der Mimik, ob es Trauer- oder Freudentränen sind, einhergehend mit einer gewissen Körperanspannung. Liegt eine heftige emotionale Reaktion vor, zeigen wir dies, wir können unterscheiden, ob es sich um den üblichen Tränenfluss handelt weil ggf. eine Allergie vorliegt, oder ob es Weinen ist. D. h. der äußerliche Gesamteindruck zeigt uns, dass ein Mensch weint. Wie ist es bei der Katze? Einfacher Tränenfluss aufgrund einer Allergie, Zugluft, Bindehautentzündung, Reinigung des Auges oder doch Tränen der Freude oder des Kummers? Schwer einzuschätzen und reine Interpretation. Wissenschaftliche Abhilfe würde eine chemische Untersuchung bringen. Ferner ist es so, dass Katzen bei heftigen emotionalen Ausbrüchen nicht unbedingt einen Tränenfluss haben.

In der Katzensprache wird emotionaler Stress vielmehr über allgemeine Körperspannung oder auch lautes Schreien, erweiterte Pupillen, schlagender Schwanz, Starre usw. ausgedrückt. Das Ausdrucksbild der Katze sieht anders aus als das des Menschen.

Hinzu kommt, dass Fellnasen sehr kontrolliert sind. Das müssen sie auch, in der Natur hängt ihr Überleben davon ab. Ihr Stressabbau bei Schmerz erfolgt primär über das Schnurren. Sie ziehen sich auch gerne zurück und haben einen introvertierten Angang. Aus meiner Sicht gehört Weinen, wie wir es verstehen nicht zum natürlichen Ausdrucksverhalten der Katze. Man kann sagen, die Katze drückt sich anders aus als wir es mit „weinen“ definieren würden. Ebenso ist die Katze ein Einzelgänger und solitär lebendes Geschöpf. Darauf basiert ihr ganzes „System“. Trost oder Unterstützung würde sie kaum durch einen Akt des Weinens erwarten wollen, sie ist in der Lage, alle Lebenssituationen ohne Sozialverband zu meistern.

Katzen mit Kummer-Themen zeigen eher Zurückgezogenheit, eine Teilnahmslosigkeit am Leben, die Augen wirken leer und die Katze zeigt insgesamt einen lethargischen Ausdruck oder das Gegenteil: Aggression.

Bei Freude springt sie vorzugsweise durch die Gegend, tobt und rennt durch das Haus und ist übermütig und für uns im Gesamteindruck einfach „ gut drauf“.
Biologisch betrachtet ist das Weinen beim Menschen biochemisch gesteuert. Ob dies ebenso bei unseren Stubentigern rein physiologisch der Fall sein KANN bleibt offen und ist meines Erachtens bislang nicht erforscht. Wie gesagt, ich gehe jedoch davon aus, da weinen ein unkontrollierter Prozess ist, unsere Katzen in dem Sinne nicht weinen können, denn sonst würden sie es in ihrem Normalverhalten zeigen und es wäre in ihrer Veranlagung.

Katzen drücken ihr inneres Erleben und ihre Wahrnehmung mit anderen Möglichkeiten und Kanälen aus. Weinen in dem Sinne hätte für sie keinen Nutzen oder Vorteil und verliert somit an Bedeutung.

Vom Gefühl her würde ich sagen, dass Katzen theoretisch die Möglichkeit hätten zu weinen, vom Wissensstand zum Thema Katzensprache und Katzenverhalten hat sie jedoch keinen Nutzen dadurch. Sie würde weder einen Stressabbau erfahren, noch braucht sie Unterstützung durch andere Katzen um ihr Leid zu meistern.

Aus meiner Sicht hat die Katze ein ganz geniales Rüstzeug, um sich selbst zu stabilisieren und ins Gleichgewicht zu bringen: Das Schnurren! Und genau diese optimale Selbst-Einrichtung ihres exklusiven Körperbaus passt zu dem, was sie als solitär lebendes Tier braucht: nämlich die Möglichkeit, sich jederzeit wieder mit eigenen körperlichen Mitteln in Balance mit sich und das Leben zu bringen. Genial! Chapeau!

8 Gedanken zu “Weinen Katzen? Katzensprache

  1. Hallo Frau Peimann,
    ich ging auch der Frage nach ob Katzen weinen können weil: meine zehnjährige Katze hat einen kurzen tödlichen Leidensweg hinter sich. Aber zuvor und zwar vor 4 Jahren trennte sich meine damalige Lebenspartnerin von mir und vor 3 Jahren verstarb meine Mutter an Krebs. Meine Katze war mir in dieser Zeit ein guter Zuhörer und Tröster da mich diese Veränderungen stark bewegt haben und ich auch viel geweint habe. Meine Katze bekam vor 2 Wochen Wucherungen/Geschwüre und am vergangenen Montag musste sie beim Tierarzt eingeschläfert werden. Bei einer der letzten Schmuserunden mit meiner Katze (bei der ich weinen musste) saß meine neue Lebenspartnerin dabei, beobachtete uns und meinte betroffen, dass meine Katze um mich weinen würde da die Katze ein feuchtes Auge hätte. Ich könnte mir vorstellen, dass meine Katze durch unsere gemeinsame manchmal traurige Vergangenheit geweint hat, da sie es bei mir gesehen und erlebt hat und sie die Tage vor ihrem Tod (davon bin ich überzeugt) selbst eine schlechte Veränderung in sich bemerkte. Vielleicht ist dieser Kommentar für sie nicht hilfreich, ich bemerke dass es mir im Umgang mit der Tauer um meine Katze geholfen hat ihn zu schreiben.
    Freundliche Grüße, Stefan Sauer

    • Lieber Herr Sauer,

      einen großen Dank für diese persönliche Mitteilung – Ihre Worte sind mir ein Trost jetzt in der schweren Zeit des Abschieds von meiner Katze Jordi. Vielleicht gibt dieses Erlebnis auch anderen Menschen Trost. Ich bedanke mich auch bei Ihrer lieben Katze Kitty. Möge Sie eine gute Zeit haben, wo immer sie jetzt ist. „Unsere Dankbarkeit für die gemeinsam erlebte Zeit, ist die Türe zum unendlichen Leben.“ – ein sehr schöner Spruch, danke.

  2. Mich beschäftigt diese Frage auch sehr. Es gab etwas das mich nicht wieder loslässt und zutiefst bewegend war. Meine sterbenskranke Katze hat nicht mein geschnurrt. Zwei Tage bevor sie eingeschläfert werden musste hat sie Laute von sich gegeben die so klangen wie wenn man beim weinen schnieft, wie ein leises schluchzen, das mir fast das Herz zerrissen hat.
    Ich habe etwas derartiges noch nie bei einer Katze erlebt.
    Liebe Grüße,
    Katrin

  3. Hallo Zusammen, meine Süsse ist fast 17 und vor 10 Wochen hat sie alles Futter ausgekorzt, das hat sich aber wieder stabilisiert! Seit 7 Wochen frist sie teilweise nichts und hat Magenschutz, Opiat und Leberschutz bekommen! Habe dann alles abgebrochen da sie futtern möchte aber das meiste ausbröselt….ich könnte noch weiter ausholen, soviel, sie hat seit 3 Jahren sehr schlechte Pankreaswerte ( 50) aber keine Symptome!! Nach der letzten Untersuchung lagen die bei 12 aber die Leberwerte sind schlechter geworden. Ich habe das Gefühl das sie futtern will aber nicht kann…ist jeden Tag anders! Will diese Woche nach Lüneburg in die Klinik fahren und dann mal schauen ob es an der Bauchspeicheldrüse liegt worauf sie behandelt wurde! Ich habe eher dss Gefühl sie möchte fressen aber kann nicht! Hat zwischendurch immer mal wieder was aufgeknuspert aber leider zu wenig! War schon in Der Klinik in Norderstedt … Könnt Ihr mir unentgeltlich einen Tipp geben? ? Wenn das geht herzlichen Dank.

    • Hallo Anonynmous,

      der Beitrag gehört eigentlich nicht in die Kategorie „Weinen Katzen“, bei Deiner Süßen liegt ja eine gesundheitliche Problematik zu Leber/Pankreas vor – ich lasse den Beitrag dennoch hier mal stehen.

      Hier meine Antwort dazu:

      Tipps ist schwierig ohne weitere detaillierte Kenntnisse zu der Süßen! Wenn es die Leber ist, ist den Tieren im allgemeinen übel, sie wollen fressen u drehen dann „angewiedert“ vom Futter ab. Es kann auch der Mund sein? Schmerzen, Entzündungen? Gerade wenn z B Nierenwerte mies sind, entgiftet die Katzen über die Schleimhäute u. a. im Mund. Dadurch kann es zu Entzündungen, Maultumoren oder Granulome kommen, an denen ein Großteil der Katzen im Alter leiden. Dann haben sie auch Schmerzen beim Fressen. Es gibt also viele Möglichkeiten, was es sein kann. Ich frage mich natürlich, warum hat sie über so lange Zeit schlechte Pankreaswerte? Wo liegen die Ursachen, da sollte man dran arbeiten. Erhöhte Leberwerte sind doof, kommen aber bei Katzen oft vor, gerade im Alter hat man dann „Ping-Pong-Werte“ zwischen Niere und Leber! Ist die Leber besser drauf, sieht der Nierenwert schlechter aus und umgekehrt. Der Entgiftungsapparat ist natürlich gerade im Alter einer Katze ein Thema.
      Aber man kann gut unterstützen und sie versuchen, sanft durchs Alter zu begleiten. Ich würde auf alle Fälle eine ganzheitliche Heilungsmethode in Angriff nehmen, sonst wird immer nur an einem Symptom gearbeitet u dann geht es nicht voran.
      Wenn es Schmerzen sind oder sie irgendwas mit dem Futter in Verbindung bringt: andere Näpfe, anderes Futter, anderer Fütterungsplatz.

      Dennoch, bitte am Ball bleiben, wenn die Tiere nicht fressen, ist das immer schwierig! Für mich ist es sehr wichtig, dass meine Klienten-Katzen unter der Therapie wieder oder sogar besser fressen, dann merkt man schon, dass es in die richtige Richtung geht. Dass sie fressen ist mehr als die halbe Miete. Positiv empfinde ich daher, dass sie zumindest Appetit zu haben scheint! Da muss man wirklich sehen, was es ist! Wenn Katzen sehr krank sind oder eben auch kurz vor dem Sterbeprozess, hören sie ganz auf zu fressen, haben dann aber auch keinen Appetit mehr.
      Ich würde sie zeitnah homöopathisch unterstützen! Gerne Termin bei mir oder eine fähigen Kollegin.
      Liebe Grüße, Susanne

  4. Hallo und guten Tag.
    Ich habe zwei Katzen, sie sind Geschwister und eineinhalb Jahre alt. Bambino ist ein Kater, seine Schwester heisst Minnie.
    Anfangs haben sie sich sehr geliebt aber seit einigen Monaten ist das nicht mehr so.
    Bambino jagt seit neustem seine Schwester durch die Wohnung- und das ist kein spiel. Er beißt sie auch heftig…
    Ich denke, es ist Dominier- Gehabe, aber sie ist echt nur halb so gross wie er und hat keine Chance…
    Letztens hat sie sich auf einen Schrank „gerettet “ und ich habe die Zimmertüre geschlossen und sie lange gestreichelt und ihr gut zugeredet.
    Und ich schwöre: es liefen Tränen aus ihren Augen- ich war ganz erstaunt darüber, aber sie hat echt geweint!
    Seither versuche ich ihr mehr Plätze für ihren Rückzug zu schaffen und streichle sie viel – ohne den Kater zu vernachlässigen (gar nicht so einfach ).
    Also mein Fazit: Katzen weinen! Sie können ja auch sauer sein, (wedeln mit dem Schwanz) oder glücklich- Schwänzchen hoch
    Suse

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